Blood Red Road.

Dienstag, Mai 22

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Ich will es dir nicht sagen, flüstert sie.
Du musst, sag ich, Bitte, Helen, erzähl weiter.
Er hat gesagt, er hat den Jungen gefunden, sagt sie. Den Jungen, der geboren ist, um an Mittwommer getötet zu werden. Er wird getötet, damit der König weiterlebt. 

In einer wilden und gesetzlosen Zukunft, in der das Leben wenig wert ist und das Überleben schwer, wächst Saba am abgeschiedenen Silverlake auf. Nur sehr selten sieht sie andere Menschen als ihren Vater oder ihre Geschwister. Bis eines Tages vier bewaffnete Reiter ihren Zwillingsbruder Lugh entführen. Saba schwört, Lugh zu finden. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernt sie die Welt jenseits des Silverlake kennen: ein Land, in dem es keine Zivilisation mehr gibt, keine Bücher mehr, keine normalen Verkehrsmittel. Es wird von einem verrückten König beherrscht, der die Bevölkerung mit einer Droge und seinen Soldaten, in Schach hält. In Hopetown muss Saba in der Arena kämpfen, bis eine Truppe von Rebellinnen ihr zu Hilfe kommt ...

(Zitate: Seite 166 und Klappentext | Cover: goodreads.com)

Der eine oder andere dürfte über das Zitat, zu Beginn der Rezension gestolpert sein. Keine Anführungszeichen. "sag" anstelle von "sage". Ziemlich kindlicher Stil. Dust Lands ist nicht nur aus Sabas Sicht geschrieben sondern ein vollständiges Dokument ihrer Gedanken, die nun einmal aus kurzen, abgehackten Sätzen bestehen, da sie in einer Welt ohne Bücher und Schulbildung lebt und nie gelernt hat, sich ordentlich zu artikulieren. Etwas, an das ich mich zu Beginn überhaupt nicht gewöhnen konnte, das sich aber mit der Zeit als genialer Schachzug herausgestellt hat.

Nach einiger Zeit nämlich, hat mich das Buch praktisch in sich hineingesogen und mich nicht mehr losgelassen. Dieser völlig subjektive Stil, ermöglicht es, in die Geschichte einzutauchen, wie ich es bisher bei wenigen Büchern erlebt habe. Das sorgte dafür, dass ich Dust Lands fast nicht mehr aus den Händen gelegt habe.

Ein weiterer Punkt, der zu Beginn etwas unangenehm wirkt, ist die Protagonistin Saba selbst. Ihr Egoismus und ihre Ablehnung gegenüber ihrer kleinen Schwester Emmi lassen sie unsympathisch erscheinen, aber auch hier verhält es sich so, dass sich diese Antipathie schnell in Luft auflöst. Im Gegensatz zu den meisten zweidimensionalen weiblichen Hauptfiguren, hat Saba nämlich Charakter. Sie lässt sich nichts gefallen, handelt nach ihrem eigenen Willen und ist in jedem Moment authentisch. Allerdings wäre es ohne Moira Youngs außergewöhnlichem Stil schwer gefallen, sich mit Saba zu identifizieren, geschweige denn, Sympathie für sie zu empfinden.

Der Part der Geschichte, in dem Saba in einer Arena um ihr Überleben kämpfen muss, hat mich stark an die Gladiatorenkämpfe der Römer erinnert. "Brot und Spiele für das Volk" schien auch in diesem Fall die Devise zu sein. Die teils abstoßend grausamen Passagen, waren wirklich erschütternd und haben mehr als einmal den Wunsch in mir geweckt, das Buch wegzulegen, wogegen allerdings wieder einmal der überragende Schreibstil gearbeitet - und gewonnen - hat.

Die verschiedenen Charaktere, auf die Saba im Verlaufe ihrer Suche nach Lugh trifft, sind faszinierend. Der Autorin ist es hierbei gelungen völlig unterschiedliche Figuren zu erschaffen, die vielschichtig und sympathisch sind. Besonders Ike und Jack sind hierbei hervorzuheben. Auch die Free Hawks haben mir als eine Gruppierung aus starken und selbstbewussten Kämpferinnen sehr gut gefallen. (SPOILER! Wobei ich von Epona's wirklich schrecklichem Tod völlig überrascht und auch geschockt zurück gelassen wurde. Ein genialer Einfall der Autorin! SPOILER ENDE!)

Insgesamt lässt es sich also sagen, dass Dust Lands - Die Entführung wieder einmal beweist, wie viel im Genre der Dystopien eigentlich drinsteckt und wie wenig Potential in den meisten aktuellen Romanen genutzt wird. Die einzige Frage, die schlussendlich offen bleibt ist die, wie ich es bis 2013 aushalten soll, wenn der zweite Teil der Reihe veröffentlicht wird ... Gerne würde ich zehn Triads vergeben, aber wegen dem Anfang, der mir einige Probleme gemacht hat werden es dann doch "nur" neun, mit einer großen Empfehlung an alle Dystopienliebhaber.

3 Heart(s):

tagfee hat gesagt…

Nach dem ich das hier gelesen habe, steht Dust Lands definitiv auf meiner Wunschliste! =]

tobi hat gesagt…

danke, ja ich hab noch einige, vllt kommt nochmal eine fuhre :p

Laura hat gesagt…

das hört sich total toll an. danke für den buch tipp!

laura (http://himbeermarmelade.de)

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